Einführung zu den Unterrichtsmaterialien zum Film TORTUGA – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER MEERESSCHILDKRÖTE

Eine Schildkröte im Wasser komplett in blaues Licht gehüllt.

Zur Vorbereitung auf den Film bietet es sich an, auf Materialien des Moduls „Du und das Meer“ zuzugreifen. Insbesondere das Wissen über Ozeane und Meere, das in den Arbeitsmaterialien A 2, A 3, A 4 erarbeitet wird, kann den Kindern helfen, die im Film TORTUGA – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER MEERESSCHILDKRÖTE dargestellten Inhalte besser einordnen zu können.

Die filmbezogenen Arbeitsmaterialien beginnen ebenfalls mit zwei Aufgabenblättern, die vor der Filmbetrachtung bearbeitet werden sollten. Arbeitsmaterial C 1 soll die Schüler/ innen anregen, Vorwissen und Erwartungen an den Film zu formulieren. In Anspielung an den Titel des Films wird bereits das Stichwort „Reise“ aufgegriffen und so die Aufmerksamkeit auf ein Grundmotiv der Filmerzählung gerichtet. Die Erwartungen der Schüler/innen können im Anschluss an eine Filmvorführung reflektiert werden.

Als Variante oder Ergänzung können vor der Filmbetrachtung die Arbeitsmaterialien C 2 und C 3 eingesetzt werden. Dabei besteht die Aufgabe darin, zu dem zu Beginn des Films gesprochenen Text selbst Ideen zur Bild- und Tongestaltung zu entwickeln. Verwendet wird dabei die Passage, in der das Schlüpfen der jungen Schildkröten und ihr dramatischer Weg über den Strand ins Wasser beschrieben wird (etwa ab Minute 4:00 einsetzen, der Text kommt ab 4:45).

Um den Schülern/innen eine Hilfestellung zu geben, wurden mögliche Bausteine vorformuliert – einige davon kommen dann auch im Film vor. Die Schüler/innen können zum einen Bildmotive beschreiben, die an den Text anknüpfen, sie können aber auch überlegen, aus welcher Perspektive diese Motive gezeigt werden sollten. Eigene Ideen zur Tongestaltung können die Situation veranschaulichen und besonders dramatische Momente unterstreichen.

Ein Taucher schwimmt neben fünf Walen.

 

Die Aufgabe ist durchaus anspruchsvoll. Denkbar ist der parallele differenzierende Einsatz der Arbeitsmaterialien C 1 sowie 2, C 3. Wenn möglich, sollte im Anschluss an die Bearbeitung der Aufgaben der Arbeitsmaterialien C 2,3 zunächst nur die betreffende Passage (4:00 – 9:40) angesehen und mit den Ideen der Schüler/innen verglichen werden. Mögliche Beobachtungen könnten sein:

  • Die Einstellungen wechseln recht schnell, vor allem wenn die Bedrohung der Schildkröten zunimmt.
  • Die Kamera bewegt sich oft nah am Boden und damit an der Perspektive der Schildkröte; dadurch wirkt z.B. der Anblick der Krabbe sehr bedrohlich.
  • Überblicksbilder zeigen, wie klein die Schildkröte im Verhältnis zur Strandfläche ist.
  • Bilder vom Meer und vom Himmel sind zu sehen (Stimmung, Landschaft).
  • Auffällig sind die intensiven Geräusche (Rascheln, Schaben, Kratzen, Wellenplätschern).
  • Das Geschehen wird mit dramatisch klingender Musik untermalt.
  • Am Ende wird die Musik ruhig und sphärisch. Man sieht die kleine Schildkröte in einem unendlichen blauen Raum.

Der Auswertungsbogen in Arbeitsmaterial C 4 kann eingesetzt werden, um die unmittelbaren Eindrücke der Kinder nach der Betrachtung des ganzen Films aufzufangen. Dabei werden die Schüler/innen angeregt, sich einerseits an einzelne Schauplätze und Szenen zu erinnern, andererseits soll auch ein kreativer Zugang unterstützt werden, indem die Schüler/innen sich eine fiktive Begegnung mit einer sprechenden Schildkröte vorstellen. Die letzte Frage zum Thema Meer und Ozean bietet Anschlussmöglichkeiten für eine thematische Erweiterung.

Der erzählerische Hauptstrang des Films beschreibt die Reise der Meeresschildkröte. Um diese noch einmal im Anschluss an die Filmbetrachtung nachzuvollziehen und räumlich einzuordnen, wurden Arbeitsmaterial C 5 und C 6 entwickelt. Arbeitsmaterial C 5 enthält einen sehr einfach gehaltenen Ausschnitt aus einer Weltkarte, in die wichtige Stationen der Reise in Form von Ziffern eingezeichnet sind. Zunächst sollten die Schüler/innen sich auf der Karte orientieren (vgl. die Aufgaben).

Die eigentliche Herausforderung besteht dann darin, erläuternde Textausschnitte den einzelnen Stationen der Reise zuzuordnen (Arbeitsmaterial C 6). Die Textabschnitte enthalten fett gedruckt die Bezugspunkte, die in der Karte eingezeichnet sind. Von manchen dieser Punkte könnten Schüler/innen schon gehört haben (Afrika, Florida), in den meisten Fällen werden sie allerdings weitere Textsignale benötigen (Alter der Schildkröte, zurückgelegte Strecke, Textanschlüsse), um die Abschnitte richtig einordnen zu können. Als zusätzliche Hilfe und zur Kontrolle sind die Textabschnitte mit einem Buchstaben gekennzeichnet. In der richtigen Reihenfolge ergeben die Buchstaben das Lösungswort „Blauwal“.

Ein Hai schwimmt einem kleinen Schwarm schwarz-weiß getreifter kleiner Fische hinterher.

Das Interview mit der Schildkrötenforscherin Dr. Rebecca Scott (Arbeitsmaterial C 7) vermittelt nicht nur ein vertiefendes Sachwissen über die Lebensweise von Meeresschildkröten, sondern gibt auch Einblicke in Leben und Arbeit einer Wissenschaftlerin, die mit viel persönlichem Einsatz ihren Forschungsfragen nachgeht. Dabei könnte für Schüler/innen unter anderem auch interessant sein zu erfahren, wie eng moderne Meeresbiologie mit Computer- und Satellitentechnik verknüpft ist. Was im Text beschrieben wird, ist auf den Bildern zum Teil nachzuvollziehen – auch ungelöste Probleme wie die Ausstattung von Baby-Schildkröten mit Sendern werden von Rebecca Scott angesprochen.

Für Grundschüler/innen sicher nicht einfach zu verstehen ist die Frage, warum die Meeresschildkröten über einen so ungeheuer langen Zeitraum überlebt haben. Die Ausführungen hierzu wurden in einem eigenen Textbeitrag ausgelagert (Arbeitsmaterial C 8), der ggf. als Differenzierungsmaterial für leistungsstarke Schüler/ innen eingesetzt werden kann. Eng verknüpft sind diese Fragen mit der Tatsache, dass menschliche Eingriffe in die Meereswelt die Jahrmillionen alte Tierart in ihrer Existenz bedrohen.

Das Unterrichtsmodul endet mit einer Szenenanalyse (Arbeitsmaterial C 9), die auch jüngeren Schülern/innen ermöglicht, Einblicke in die Inszenierung von TORTUGA – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER MEERESSCHILDKRÖTE zu bekommen. Die ausgewählte Episode – eine Begegnung der noch sehr kleinen Schildkröte mit einem Containerschiff – wird schulmäßig in Szene gesetzt: Während im Hintergrund bereits das Stampfen der Motoren zu hören ist, knabbert die Schildkröte unbedarft an ihrem Seetang-Floß – die Diskrepanz zwischen dem Wissen des Zuschauers/der Zuschauerin und der Ahnungslosigkeit der Protagonistin bringt für wenige Augenblicke eine quälende Spannung („Suspense“).

Die Dramatik erhöht sich durch einen zunehmend schnellen Wechsel der Perspektiven und bedrohlich aufbrausende Musik. Mit dem Eintreffen des mächtigen Schiffes zerreißt das Seetang-Floß, Wasserwalzen wirbeln Tiere durcheinander und die Musik gibt schrille Klangsignale. Dann fällt die Geräuschkulisse zusammen, Pflanzenfetzen treiben auf und unter der Wasseroberfläche, dazwischen leblose Tiere. Die Stimme der Sprecherin löst die Ungewissheit auf: Die kleine Schildkröte hat die Begegnung knapp überlebt. Sie hat etwas Dramatisches erfahren, wurde aus einer Scheinsicherheit herausgerissen und kann in Zukunft die Anzeichen eines sich nähernden Großschiffes früher erkennen.

Die filmischen Mittel, mit denen diese Begegnung inszeniert wird, werden in fiktionalen Filmen gerne eingesetzt, wenn es um gefährliche Konfrontationen geht, z.B. bei drohenden Eisenbahnkollisionen, sich nähernden Monstern oder feindlichen Armeen, aber auch wenn ein Serienheld heimlich im Zimmer einer anderen Figur herumschnüffelt, während diese sich nähert. Bewusst oder unbewusst haben die Schüler/innen solche Szenen mit großer Wahrscheinlichkeit schon häufig gesehen.