„Die Meere vertragen nicht alles, was man mit ihnen macht.“

Porträt des Forschers Matthias Haeckel.
Matthias Haeckel bei der Arbeit. Der Chemiker forscht am GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Insgesamt arbeiten dort 950 Menschen.

Herr Haeckel, was fasziniert Sie am Meer? 

Die Ozeane sind interessant, weil sie sehr  wichtig sind für das Klima. Sie nehmen zum  Beispiel eine ganze Menge von dem Kohlendioxid  auf, das Menschen beim Heizen, Autofahren  oder durch den Flugverkehr in die Atmosphäre  blasen. 

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit? 

Als Forscher habe ich das Glück, dass ich oft  mein eigener Chef bin und selbst entscheiden  kann, wie ich vorgehe. 

Gibt es auch etwas, das sie nicht mögen? 

Ja: Verwaltungskram. Aber die eigentliche  Forschung mag ich sehr – vor allem, weil es noch  so viel zu entdecken gibt. Die Ozeane bedecken fast drei Viertel unserer Erde, aber wir wissen noch viel zu wenig über sie. 

Stimmt es, dass die Ozeane noch weniger  erforscht sind als der Mond? 

Ach, ich weiß nicht, ob man das so allgemein  sagen kann. Aber auf jeden Fall stehen uns noch  viele spannende Entdeckungen bevor. Letztes  Jahr haben wir in der Tiefsee Untersuchungen  durchgeführt, ungefähr in 4.000 Meter Tiefe.  Und es war so, dass wir mit jeder Probe einige Tierarten hochgeholt haben, die vorher noch nie jemand beschrieben hatte.

Gibt es bei solchen Expeditionen auch manchmal gefährliche Situationen?

In Regionen, wo Piraten unterwegs sind, war ich zum Glück noch nicht. Aber wir arbeiten weltweit – ich war schon im Atlantik und im Pazifik, vor Japan, Taiwan und Neuseeland. Oder auf der anderen Seite, vor Chile und Costa Rica. Wo ich noch nicht war, aber gerne mal hinfahren würde, ist die Antarktis.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Meeresforscher zu werden?

Das war Zufall. Ich bin eigentlich Chemiker und habe mich mit Mikrowellenspektroskopie beschäftigt.

Das klingt kompliziert …

… Ja, aber Mikrowellen kennt ja fast jeder aus dem Haushalt. Man kann die Technik benutzen, um Temperaturen in großer Entfernung zu messen, im Weltraum, auf anderen Sternen und Galaxien. Ich wollte dann etwas machen, was mit praktischen Problemen zu tun hat, und kam zum GEOMAR, weil die jemanden suchten, der etwas von Mathematik und Chemie versteht.

Und auf welche praktischen Probleme sind Sie dann gestoßen?

In meiner Doktorarbeit ging es um die Auswirkungen von Tiefseebergbau. Das ist zwanzig Jahre her, aber das Thema ist gerade wieder aktuell. Und jetzt, als erfahrener Wissenschaftler, habe ich die Aufgabe, ein ganzes Forschungsprojekt hierzu zu koordinieren.   

Herr Haeckel, was fasziniert Sie am Meer? 

Die Ozeane sind interessant, weil sie sehr  wichtig sind für das Klima. Sie nehmen zum  Beispiel eine ganze Menge von dem Kohlendioxid  auf, das Menschen beim Heizen, Autofahren oder durch den Flugverkehr in die Atmosphäre blasen. 

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit? 

Als Forscher habe ich das Glück, dass ich oft mein eigener Chef bin und selbst entscheiden kann, wie ich vorgehe. 

Gibt es auch etwas, das sie nicht mögen? 

Ja: Verwaltungskram. Aber die eigentliche  Forschung mag ich sehr – vor allem, weil es noch so viel zu entdecken gibt. Die Ozeane bedecken fast drei Viertel unserer Erde, aber wir wissen noch viel zu wenig über sie. 

Um welche Art von Bergbau geht es da?

Wissen Sie, was Manganknollen sind?

Nicht wirklich …

Das sind Klumpen, die so ein bisschen aussehenwie ein Blumenkohl. Die enthalten verschiedene wertvolle Metalle, die man für alles Mögliche verwenden kann. Und immer, wenn die Rohstoffpreise hoch sind, kommen dieLeute auf die Idee, dass sie doch auch mal diese Manganknollen ernten könnten, auch wenn mandie aus 5.000 Meter Tiefe im Ozean holen muss.  Inzwischen weiß man zum Beispiel, dass es vondiesen Manganknollen im Nordpazifik sehr viele gibt, in einem Gebiet, das ungefähr halb so groß ist wie Europa.

Und wo liegen die Probleme, wenn man diese Knollen abbaut?

Man muss dazu die oberen zehn Zentimeter des Meeresbodens abtragen. Und zwar auf großen Flächen, weil die Manganknollen nur in diesem oberen Bereich des Meeresbodens vorkommen. Das ist aber auch genau die Schicht, in der die meisten Lebewesen vorkommen. Und wir versuchen jetzt herauszubekommen, auf wie viele Jahrzehnte, Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende das Ökosystem am Meeresboden geschädigt würde. Wir wissen auch gar nicht, ob man den Lebensraum nur dort zerstören würde, wo man den Meeresboden wegnimmt, oder auch außen herum auf einer noch größeren Fläche.

Das scheint kompliziert zu sein.

Richtig – wir versuchen, das System Erde andieser Stelle zu verstehen, und dazu arbeitenviele verschiedene Fachwissenschaftlerzusammen: Biologen, Chemiker, Geologen,Ozeanographen. Das ist auch das, was micham meisten fasziniert: Dass ich nicht nur alsChemiker in meinem kleinen Bereich arbeite,sondern dass wir am Ende die verschiedenen Informationen zusammenfügen müssen.

Kann Ihre Arbeit denn tatsächlich dazubeitragen, den großflächigen Abbau derManganknollen zu begrenzen?

Das hoffen wir. Es gibt eine internationale Meeresbodenbehörde, die die Regeln für den Bergbau in der Tiefsee aufstellen muss. Die bekommen von uns viele Hinweise, und auch mit der Industrie reden wir. Die Unternehmen haben in den letzten Jahren dazugelernt und wollen vermeiden, am Ende als große Umweltzerstörer zu gelten. Es gefällt mir an meiner Arbeit, dass wir unsere Ergebnisse teilen können und sehen, dass sie an der einen oder anderen Stelle auch berücksichtigt werden.

Machen Sie sich insgesamt große Sorgen um Meere und Ozeane?

Die Meere vertragen nicht alles, was man mit ihnen macht. Der Mensch greift so stark in diese Systeme ein, dass er sie komplett verändern kann. Forschung ist heute sehr wichtig, um zu verstehen, wie weit der Mensch dabei gehen darf. Oder auch, um zu verstehen, was man tun kann, damit sich die Meere von Schäden erholen können.

Das Meer steht ja im Mittelpunkt Ihrer Arbeit. Fahren Sie im Urlaub auch ans Meer oder lieber in die Berge?

Ich bin gerne am Meer. Mich entspannt das,einfach aufs Wasser zu gucken und vor mich hinzu träumen. Das Meer ist ein großer Teil vonmeinem Leben und ich fühle mich da wohl.

Bilder von einer Expedition im Pazifik

Tief unten auf dem Meeresboden liegen wertvolle Rohstoffe, praktisch verpackt in sogenannten Manganknollen. Aber was passiert mit dem Ozean, wenn man diese Manganknollen mit großen Maschinen einsammeln würde? Wird das empfindliche Leben auf dem Meeresgrund auf Dauer zerstört? Forscher vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung wollen mehr darüber wissen:

Ein Tauchroboter wird von zwei Männern vorbereitet.
Ein Tauchroboter wird vorbereitet …
Ein torpedoähnliches Gerät wird aus dem Wasser gezogen; es ist mit zahlreichen Messinstrumenten ausgestattet.
… und ins Wasser hinabgelassen. Das torpedoähnliche Gerät ist mit zahlreichen Messinstrumenten ausgestattet.
Abbildung von Manganknollen auf dem Meeresbodens in der Tiefsee.
So sieht es am Meeresboden aus. Die dunklen
Knubbel sind Manganknollen. Sie sind über ein
riesiges Gebiet verteilt.
Ein sogenannter Fahrstuhllander auf dem Meeresboden.
Ein so genannter Fahrstuhllander auf dem Meeresboden – das Gerät kann mehrere Versuche gleichzeitig durchführen.
Ein Greifarm hat eine Meeresknolle eingesammelt.
Ein Greifarm hat eine Manganknolle eingesammelt.
Der Forscher Matthias Haeckel genießt die nächtliche Stimmung auf dem Pazifik und blickt von seinem Forschungsschiff Richtung Horizont.
Nach der Arbeit bleibt dem Forscher Matthias
Haeckel noch etwas Zeit, die nächtliche Stimmung
auf dem Pazifik zu genießen. Die Auswertung der
Expedition wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Aufgaben

  • Lest das Interview mit Matthias Haeckel und markiert Stellen, die ihr nicht versteht. Tauscht euch dazu aus.
  • Was findet der Forscher an seiner Arbeit interessant?
  • Beschreibt, was Manganknollen sind. Warum beschäftigt sich Matthias Haeckel damit?