Schildkröten reisen seit Millionen von Jahren durchs Meer – ihre größte Bedrohung heute ist der Mensch

Zweiter Teil des Interviews mit der Schildkrötenforscherin Rebecca Scott

Die Idylle trügt: An vielen Stellen sind die Ozeane heute mit Schadstoffen belastet.

Meeresschildkröten haben ein gefährliches Leben – warum haben diese Tiere trotzdem seit vielen Millionen Jahren überlebt?

Meeresschildkröten führen vor allem ein langsames Leben: Sie wachsen langsam, brauchen viele Jahre, bis sie erwachsen sind, und werden dann auch noch sehr alt. Das heißt: Wenn ein Tier erwachsen geworden ist, kann es viele Jahre lang Nachkommen hervorbringen. Es legt in seinem Leben also sehr, sehr viele Eier. Während einer einzigen Brutsaison kann eine Schildkröte mehrere Nester anlegen und jedes Nest kann 100 Eier enthalten. So bestehen gute Chancen, dass auch einige der Nachkommen das Erwachsenenalter erreichen. Und noch etwas: Wenn die Schildkröten an den gleichen Strand zurückkehren, an dem sie selbst aus dem Ei gekrochen sind, können sie einigermaßen sicher sein, dass die Bedingungen (Temperatur, Meeresströmung) hier in Ordnung sind. Und der Panzer der erwachsenen Schildkröten ist ein guter Schutz gegen alle möglichen Feinde – abgesehen von den größten Haiarten. Das alles hat dazu geführt, dass es über einen langen Zeitraum gleichbleibend viele Meeresschildkröten gab.

Und dann kam irgendwann der Mensch ins Spiel…

Unglücklicherweise führen menschliche Aktivitäten zu einer Reihe von Gefahren, so dass heute viel mehr Schildkröten sterben, bevor sie erwachsen sind.

Welche Gefahren sind das?

Zum Beispiel, wenn an den Stränden, an denen Meeresschildkröten ihre Eier ablegen, Hotels oder andere Gebäude entstehen. Einige Küstenbewohner/innen jagen bis heute Schildkröten, um sie oder ihre Eier zu essen. Schildkrötensuppe ist ein noch immer populäres Gericht. Auch in Fischernetzen bleiben viele Tiere hängen und kommen dabei ums Leben. Und schließlich ist die Verschmutzung der Meere wirklich besorgniserregend, zum Beispiel durch Öl oder Chemikalien. Tiere sterben daran, dass sie Plastikmüll fressen, den sie mit Quallen verwechseln. Der Klimawandel ist eine weitere Bedrohung, die den Lebensraum vieler Schildkröten beeinträchtigt: Brutplätze und Korallenriffe gehen verloren. Durch diese Veränderungen ist an einigen Stellen die Zahl der Schildkröten in den letzten Jahrzehntenum über 90 Prozent zurückgegangen.

Aufgaben

  • Nenne drei Gründe, warum es Meeresschildkröten geschafft haben, seit Millionen von Jahren zu überleben.
  • Nenne drei Gefahren, denen Meeresschildkrötenheute ausgesetzt sind.