Leben auf dem Leuchtturm

Von Albrecht Sauer

Albrecht Sauer ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven. Als Historiker beschäftigt er sich vor allem mit der Geschichte der Seefahrt: Wie man früher Schiffe baute, steuerte und wie sich die Seeleute orientierten, als es noch keine Satelliten gab.

Zeichnung eines alten Leuchtturmes in Howth, Irland.
Als es noch keine Satelliten-Navigation gab, waren Leuchttürme für Kapitäne von Fracht- und Personenschiffen
lebenswichtig.


Ben und seine Familie wohnen auf einem Leuchtturm. Viele Leuchtturmwärter hatten früher ein einsames und hartes Leben – und eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Leuchttürme waren lange Zeit sehr wichtig für die Schifffahrt. Durch sie konnten die Kapitäne und Steuerleute schon weit vor der Küste erkennen, wo sie waren und wie sie steuern sollten. Leuchtturmwärter mussten besonders zuverlässig sein und immer dafür sorgen, dass die Leuchte einwandfrei funktionierte. Mehrmals am Tag kontrollierten und warteten sie sie. Heute arbeiten alle Leuchttürme automatisch und es gibt keine Leuchtturmwärter mehr.

Die meisten Leuchttürme stehen an Land, so dass die Wärter ihren Arbeitsplatz direkt von ihren Wohnungen aus erreichen konnten. Wenn allerdings ein Leuchtturm auf einer kleinen Insel oder sogar im Meer steht, wie zum Beispiel der berühmte Leuchtturm „Roter Sand“ in der Nordsee, verbrachten die Leuchtturmwärter früher oftmals viele Wochen oder Monate auf dem Turm. Dabei wurden sie von einem Schiff mit Trinkwasser, Brennstoffen, Nahrungsmitteln und Nachrichten von Land versorgt. Das Schiff konnte nur bei Windstille und ruhiger See direkt am Turm anlegen. Meistens musste zwischen Leuchtturm und Versorgungsschiff eine Leine gespannt und Güter und Menschen in einem Korb hinübergezogen werden. Bei schlechtem Wetter war es gar nicht möglich, den Leuchtturm zu erreichen. Dann mussten die Leuchtturmwärter warten, bis sich das Wetter beruhigte.

Personen und Proviant schwebten in einem Korb
zum Leuchtturm Roter Sand.
Der Leuchtturm Obereversand ist heute ein
Museum und steht an der Nordseeküste zwischen
Bremerhaven und Cuxhaven. Im Innern sieht es
wieder so aus wie früher – die Küche der Leuchtturmwärter
war einfach, aber komplett eingerichtet

Leuchttürme wie der „Rote Sand“ waren wie ein kleines Wohnhaus eingerichtet. Unten lagerten die Vorräte, darüber war der Schlafraum, darüber die Küche, dann folgte der sogenannte Dienstraum und ganz oben befand sich die Leuchte. Meist waren drei oder vier Leuchtturmwärter gleichzeitig auf dem Turm, um sich nachts bei der Arbeit ablösen zu können. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Wartung und Pflege der Leuchte auch, die vorbeifahrenden Schiffe an die Häfen an Land zu melden, die Wasserstände bei Ebbe und Flut zu messen, das Wetter zu beobachten – und natürlich auch das tägliche Kochen. Dies musste der Jüngste an Bord des Turmes übernehmen.

Wer einmal sehen möchte, wie Leuchtturmwärtergelebt haben, kann sich den Leuchtturm „Obereversand“ in Dorum-Neufeld ansehen. Er stand früher mitten im Wattenmeer, wurde aber vor einigen Jahren an die Küste geholt und kann besichtigt werden. Wer dazu keine Gelegenheit hat, kann sich auf der Internet-Seitewww.obereversand.de über den Turm informieren und auch interessante Bilder aus dem Innenraum betrachten.

 Aufgaben

  • Beschreibe das Leben von Leuchtturmwärtern in eigenen Worten.
  • Stell dir vor, du würdest für vier Wochen auf einem Leuchtturm leben. Notiere fünf Dinge, die du gerne mitnehmen würdest. Mit welchem Gefühl würdest du deine Reisebeginnen?