Liegen die Energie- und Rohstoffquellen der Zukunft im Meer?

In einer hoch technisierten Welt werden viele Rohstoffe benötigt. Während die Rohstoffvorräte an Land zum Teil zur Neige gehen, gibt es am Meeresboden und darunter noch viele Lagerstätten. Aber können diese Lagerstätten, die zum Teil viele tausend Meter unter dem Meeresboden liegen, auch erschlossen werden? Welche Risiken sind damit verknüpft? Und welche Folgen hat die Förderung von Rohstoffen aus dem Meer für die Umwelt und das Klima? Die folgenden Texte beschreiben anhand von drei Beispielen Chancen, technische Herausforderungen und mögliche Gefahren. Zunächst sollen jedoch einige wichtige Begriffe geklärt werden.

Ein Vorkommen wird als Reserve bezeichnet, wenn es drei Bedingungen erfüllt: Erstens muss es durch Untersuchungen bestätigt und die Menge erfasst worden sein. Zweitens muss das Vorkommen mit heutiger Technik förderbar sein. Drittens muss die Förderung bei heutigen Rohstoffpreisen wirtschaftlich sein.

Ressourcen sind Rohstoffe, die geologisch nachgewiesen sind, aber derzeit nicht wirtschaftlich gewonnen werden können. Auch Rohstoffe, die nicht nachgewiesen, aber aufgrund der geologischen Gegebenheiten erwartet werden können, zählen zu den Ressourcen. Fachleute unterscheiden konventionelle von nichtkonventionellen Reserven und Ressourcen. Konventionelle Lagerstätten können mit herkömmlicher Technik erschlossen und ausgebeutet werden. Die Förderung nichtkonventioneller Reserven und Ressourcen hingegen benötigt neue, technisch anspruchsvolle Fördertechnologien, deren Einführung zunächst sehr teuer ist.

Der Zeitraum, in dem ein Rohstoff auch in Zukunft noch verfügbar ist, wird als Reichweite bezeichnet. Da aber nicht absehbar ist, wie sich der Bedarf in Zukunft entwickeln wird und ob (mit neuen Technologien) neue Vorkommen entdeckt werden, ist es kaum möglich, diesen Zeitraum präzise zu benennen. Fachleute verwenden meist den klarer definierten Begriff der statischen Reichweite. Dabei handeltes sich um das Verhältnis der Reserven oder der Ressourcen zur weltweiten Jahresförderung. Man unterstellt dabei also, dass der Verbrauch konstant bleibt und sich auch die Menge an Reserven bzw. Ressourcen nicht durch neue geologische Erkenntnisse verändert.

Die Grafik zeigt, von welchen Rohstoffen wie viel weltweit vorhanden ist. Der jeweils dritte Balken gibt an, wie hoch der Verbrauch des betreffenden Rohstoffs bis zum Jahr 2035 vermutlich sein wird („kumuliert“ bedeutet, dass der Verbrauch des angegebenen Zeitraums zusammengerechnet wurde). Betrachtet man die Balken zusammen, lässt sich abschätzen, wie lange der jeweilige Rohstoff noch reichen würde.

Aufgaben

  • Lies den einführenden Textabschnitt und erkläre deinem Sitznachbarn/deiner Sitznachbarin den Unterschied zwischen Reserven, Ressourcen und Reichweite.
  • In Kanada gibt es eine große Menge an Ölsanden. Lange Zeit war es wirtschaftlich nicht möglich, diese zur Ölgewinnung zu nutzen. Das hat sich durch neue technische Verfahren geändert. Kanada wurde plötzlich zu einem ölreichen Land. Erkläre mit Hilfe der Definitionen, wie sich Reserven und Ressourcen in Kanada verändert haben.
  • Sieh dir das Diagramm an und beantworte folgende Fragen:

• Bei welchem Energierohstoff sind die Reserven 2035 erschöpft? Ist die Reichweite der Erdölressourcen größer als die der Erdgasressourcen?

• Erstelle eine Rangfolge über die Reichweite der konventionell erschließbaren Reserven. Beginne mit dem Energierohstoff, bei dem diese Reserven am schnellsten erschöpft sind.

• Mit Kohleöfen könnten die Menschen noch viele hundert Jahre heizen. Was spricht dagegen?